Das Bedürfnis nach einem Dach über dem Kopf gehört zusammen mit der Ernährung und der Fortpflanzung zu den drei großen Wünschen des Menschen. Seine Bautätigkeit erreichte in der Antike einen vorläufigen Höhepunkt.
Vor der griechischen und römischen Klassik lag jedoch eine, für unsere Begriffe, unermesslich lange Zeitspanne von mehreren Hunderttausend Jahren, in denen die nomadisch lebenden Menschen entweder im Freien oder in natürlichen Refugien, wie Höhlen oder Nischen, hausten. Erste Versuche primitiver Holzbauten sind archäologisch belegt. Diese vorgeschichtliche Zeit endete schließlich mit den architektonischen Wundern der ägyptischen und mesopotamischen Hochkulturen. Doch erst die Errungenschaften der Griechen und Römer - vor und nach der Zeitenwende - beeinflussten die späteren zweitausend Jahre Baugeschichte in Form und Material nachhaltig.
In der griechischen Antike wurden weltliche Hütten und Häuser gemeinhin aus Holzstützen errichtet, zwischen denen mit Lehm verschmiertes Flechtwerk eingebracht wurde. Eine andere Methode bestand darin, die Hohlräume mit ungebrannten Lehmziegeln zu füllen. Das milde Klima der Mittelmeerregion machte massivere Konstruktionen überflüssig. Allein gegen die Nässe wurden zuweilen niedrige Steinsockel errichtet. Ansonsten galten die schwer zu transportierenden und zu bearbeitenden Steine als für Sakralbauten und herrschaftliche Großprojekte prädestiniert. Für diese waren klassische antike Baumaterialien vor allem Kalkstein und Bruchstein, die mit Zementfugen verbunden waren. Darüber hinaus fanden Tuff (verfestigte vulkanische Asche) und andere lokal abbaubare Gesteine Verwendung. Je nachdem wurden diese zudem bemalt oder vergoldet. Später entstanden monumentale Bauten vor allem aus regelmäßigen Quadern und Säulenblöcken, die ohne Mörtel, nur mit Bleiklammern oder Dübeln gesichert wurden. Allein die Dachstühle bestanden aus ziegelgedeckten Holzkonstruktionen. Selten entstanden kostbare Dächer aus Marmor, denn dieser kam vor allem im ägäischen Griechenland, genauer gesagt, auf den kykladischen Inseln, vor. Gegen Witterungseinflüsse wurden viele Tempel mit einer Stuckschicht verkleidet, einem gipsähnlichen Schutzmantel.
Eine Besonderheit der römischen Antike war das sogenannte Gussmauerwerk (opus caementitium). Dabei handelte es sich um eine Art antiken Beton, welcher für Fundamente und Decken eingesetzt wurde. Dieser ermöglichte erstmals das freitragende Überspannen großer Räume. Mit Steinen oder Ziegeln verkleidet, waren diese Gebäude preiswert und haltbar. Die künstlerische Vollkommenheit erlangten sie oft durch Verkleidungen mit Stuck oder Fresken.